OM und Spiritualität
"Angst ist einer der größten Stolpersteine auf dem Weg zu der erinnerten Erleuchtung. Unsere Om-Healing- Technik befreit die Seele, um vom Herzen aus in die physische Welt auszustrahlen. In den Om- Healing- Kreisen kann man buchstäblich Angst transzendieren (“durchschreiten“). Die Angst löst sich durch die Klangschwingung des Om auf. Im Om- Healing- Kreis merken die Teilnehmenden, wie die Schichten der Rüstung fallen, die durch die angesammelten Ängste in vielen Leben aufgetürmt wurden." Mahavatar Babaji
Om, Aum, Amen, Amin, Amun
Es wird davon ausgegangen, dass AUM im Christen- und Judentum zu Amen wurde obwohl sich dies bis heute wissenschaftlich nicht belegen lässt. Amen wird häufig in der Bibel erwähnt und die Bedeutung dafür ist „so sei es“ oder „wahrlich. „wahrhaftig“. Dies ist wahrscheinlich eine spätere Interpretation von „Amen“, da die erste Aufzeichnung erstmals 1230 A.D. zu finden ist. Jesus nannte sich selbst „das Amen“, „der Gläubige und wahre Zeuge“ und in der hebräischen Sprache bedeutet Amen „Wahrheit“, „beständig“ oder „gläubig“. Moslems verwenden das Wort „Amin“(Arabisch: آمين) nicht nur nach dem rezitieren der ersten Surah des Korans, sondern auch nach beenden eines Gebetes, mit derselben Bedeutung wie im Christen- und Judentum.
Unter der Herrschaft des Pharaos Echnaton verehrten die Ägypter den Gott Amen-Ra oder Ammon (der verborgene Gott). Das Wort Amen benutzten sie um Ammon anzurufen. Dies führt uns zu einer weiteren Bedeutung von Amen, nämlich „verdeckt“ oder „verborgen“. Wir könnten sagen, dass Amen oder ursprünglich AUM der Ton der wahren Realität ist, die durch die Welt der manifesten Erscheinungen verborgen bleibt. Diese Realität ist reines Sein und könnte damit also auch als „so sei es“ übersetzt werden, wie es später bei Segnungen oder als Zeichen der Dankbarkeit geschah.
Warum OM und nicht Amen oder Ammon chanten?
Wie zuvor erwähnt, existiert bis heute kein wissenschaftlicher Beweis dafür, dass Amen sich vom Sanskrit Klang AUM ableiten lässt, obwohl sehr viele Menschen dies glauben. Um also sicher zu gehen, dass das Chanten zu einer maximalen Wirkung führt, ist es besser Om zu singen, anstatt andere ähnliche Worte oder Klänge.
OM gilt als die heiligste Silbe der Sanskrit Sprache. Sanskrit heisst wörtlich „zusammengesetzt“ und ist die Sprache der Veden (Rig-Veda, Sama Veda, Yajur Veda and Atharva Veda) und Vedischen Literatur (z.Bsp. Ayurveda, Upanishaden, Gandharva Veda). Die Schriftzeichen des Sanskrit werden mit Devanagari bezeichnet, was so viel wie die Schrift der Stadt der Götter bedeutet. Der Veda und die Vedische Literatur legen die ganze Schöpfung in ihrer Entfaltung dar und gilt nicht als von Menschen gemacht, sondern als vor tausenden von Jahren von Sehern (Rishis) des Himalayas erkannt. Durch tiefe Meditation erblickten sie in sich die Naturgesetzte, die das ganze Universum bis zum heutigen Tag entfalten, manifestieren und erhalten.
Die Veden und Vedische Literatur sind die Blaupause der Schöpfung und Sanskrit ist die Sprache deren Klang, die entsprechende Form der Schöpfung perfekt widerspiegelt. Und OM ist der perfekte Klang der alle Klänge in sich vereint, welche die Welt der Erscheinungen hervorbringen. Folglich weichen alle von OM abgeleiteten Worte bereits von der Ganzheit ab und können dadurch nicht dieselbe Ordnung in der Physiologie hervorbringen wie OM.
Gesund zu sein bedeutet „ganz oder heil“ zu sein. Folglich ist es am Besten, dass man OM singt um die Schwingung perfekter Ganzheit in jeder Zelle zu erreichen. Wir könnten sagen, dass das Singen von OM eine der besten Wege ist um die Schwingung von Einheit in die Diversität der Schöpfung zu bringen. Jede Zelle des Körpers und alle Teile (Zellen) zusammen sollten die Schwingung von Ganzheit widerspiegeln. Dies können wir durch das Chanten von OM beleben.
Sanskrit und seine Verbindung zu den modernen Sprachen
Es ist sehr interessant zu wissen, dass Sanskrit mit hunderten anderen Sprachen wie Griechisch, Latein, Hindi, Urdu, Bengalisch, Marathi, Kashmiri, Panjabi, Nepalesisch und Romanisch einen gemeinsamen Ursprung teilt.
Das Vedische Sanskrit, das als Vorgänger des klassischen Sanskrits gilt, ist eine der ältesten Sprachen des Indio-europäischen Sprachbaumes. Der älteste bekannte Texte in Sanskrit ist der Rig Veda, eine Sammlung von über Tausend Hymnen, die ungefähr während des zweiten Jahrtausends vor Christus zusammengestellt wurden. Tatsächlich wird vermutet und vieles weißt darauf hin, dass Sanskrit die Ursprungssprache sehr vieler Sprachen ist. Somit könnten wir sagen, dass vom Standpunkt der Sprachwissenschaften, Sanskrit die Basis bildet für viele Worte und Klänge moderner Sprachen. So sind zum Beispiel die Worte „Zucker“ und im Englischen „sugar“ abgeleitet vom Sanskrit Wort „Sharkara“, was ebenfalls Zucker bedeutet. Selbst einige afrikanische Sprachen wie das Kisuaheli sind mit Sanskrit verbunden. Zum Beispiel heisst Löwe in Kisuaheli „Simba“ und in Sanskrit „Simha“, was auf eine Verbindung schliessen lässt.
In den Sprachwissenschaften wird davon ausgegangen, dass mehr als 170 Sprachen von Sanskrit abstammen oder mindestens stark davon beeinflusst sind.
Das Lesen der Veden & Vedischen Literatur und seine Wirkung auf die Gehirnphysiologie
Neben der Tatsache, dass Sanskrit der Ursprung vieler Sprachen sein könnte, gibt es eine weitere interessante Eigenschaft. Es scheint so, dass das Lesen von Sanskrit eine andere Wirkung auf das menschliche Gehirn hat als das Lesen moderner Sprachen.
Dr. F. T. Travis1 und seine Mitarbeiter baten in einem Versuch Studenten Passagen aus der Bhagavad-Gita (Vedische Literatur) in Sanskrit und in modernen Sprachen (Spanisch, Französisch, Deutsch) zu lesen. In allen Fällen konnten die Studenten die Sprachklänge richtig aussprechen, wussten aber nicht um die Bedeutung des Textes. Bei jedem Student wurde während zweier Sitzungen von je 15 Minuten, die Gehirnwellenströme (EEG), Herz- und Atemfrequenz, sowie die Hautresistenz gemessen. Des Weiteren wurden dieselben Parameter während 15 Minuten Ausübung der transzendentalen Meditation (TM) gemessen.
Er fand heraus, dass die physiologischen Messresultate während des Lesens von Sanskrit und während der Ausübung der Meditation (TM) ähnlich waren, während sie sich vom Lesen moderner Sprachen deutlich abwichen.
Es scheint, dass sich während des Lesens von Sanskrit und der Vedische Literatur im Speziellen, die Gehirnaktivitäten verändern. Ähnlich wie bei der Meditation verbesserten sich EEG-Alpha-Power2, Gehirnwellenkohärenz und der Hautwiderstand. Während des Lesens derselben Texte in modernen Sprachen blieben alle Messparameter dieselben, das heisst sie verbesserten sich nicht. Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass das Lesen ursprünglicher, in Sanskrit verfasster Texte des Veda und der Vedischen Literatur höhere Bewusstseinzustände belebt, während das Lesen der Texte in modernen Sprachen den Geist nicht beruhigen, sondern ihn eher in einen nach aussen gerichteten Zustand mit unganzheitlicher Funktion halten.
Es scheint so, dass das Lesen der Vedischen Literatur die Ansicht unterstützt, dass der Veda und die Vedische Literatur die Blaupause der Schöpfung sind, welche auf sehr geordnete Weise die strukturierende Dynamik des Bewusstseins entfaltet, und dass sich, während des Lesens des Veda und der Vedischen Literatur, die Funktionen der Gehirnphysiologie dieser Dynamik angleichen. “Die perfekte Ordnung der Sanskrit Sprache fördert Ordnung und Gleichgewicht in der Gehirnphysiologie, erweitert das Gedächtnis und reinigt die Physiologie. Während dem Rezitieren der Vedischen Sprache, funktioniert das Gehirn von ruhigeren Ebenen, was zu mehr Friede und Harmonie im Geist führt.”
Sollte der Klang OM all diese Eigenschaften des Veda und der Vedischen Literatur in sich vereinen, dann haben wir eine Technik erhalten, die nicht nur Ganzheit belebt, sondern auch die Dynamik durch welche die Schöpfung in ihrer Ganzheit strukturiert wird und dies ist nichts anderes als Heilung oder Ganz werden, also das Rückführen vom Zustand fragmentiertem Funktionierens zu holistischem Funktionieren.
- Travis, F.T., Olsen, T., Egenes, T., & Gupta, H.K. (2001). Physiological patterns during practice of the Transcendental Meditation Technique compared with patterns while reading Sanskrit and a modern language. International Journal of Neuroscience, 109, 71-80
- Bei einer EEG-Messung kann man verschiedene Gehirnwellenmuster (Alpha, Theta, Beta, Delta und Gamma) messen, von denen man weiss, dass sie bei unterschiedlichen Aktivitäten und Bewusstseinszuständen auftreten. Der Alpha-Rhythmus (8 – 13 Hz) ist die im menschlichen EEG dominierende Frequenz und tritt bei fast allen Menschen während wacher Entspannung und besonders mit geschlossenen Augen im parieto- occipitalen Bereich (schläfen- und Sehkrotex) auf. Das heisst also, umso entspannter und ruhiger man im Wachzustand ist, desto grösser ist die EEG-Alpha-Power.
Kalavati, Schweiz
OM wissenschaftlich betrachtet
Altüberlieferte Lehren und moderne Wissenschaft stimmen darin überein, dass alle Lebewesen, alles, was existiert, auf der feinsten Ebene aus Schwingungsenergie bestehen. Seit tausenden von Jahren haben Mystiker davon berichtet, wie sie diese Energie erfahren haben, die als summende Vibration in allem und um alles herum in unser hörendes Bewusstsein tritt.
In der Schöpfungsgeschichte der Bibel steht: “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott.“ (Johannes Evangelium 1.1)
Christentum und Hinduismus gehen darin einig, dass am Beginn der Schöpfung eine Schwingung stand, durch die alles, was existiert, erschaffen wurde.
Die Schwingung, die dem ursprünglichen Zustand am meisten gleicht, ist OM. Dieser Klang unterscheidet sich von anderen Klängen, die der Mensch mit seinen Sinnesorganen wahrnehmen kann. Klänge entstehen normalerweise, wenn ein Objekt gegen ein anderes stößt – wie beispielsweise zwei Zimbeln, Hand und Trommel, Stimmbänder, Wellen, die auf das Ufer treffen usw. Jedoch entsteht der Klang OM nicht durch zwei gegeneinander schlagende Objekte. Er wird daher als Anahata Nada, als nicht geschlagener Klang bezeichnet. OM ist der Klang der primären Energie.
Dieser heilige Klang besteht aus vier Elementen: die ersten drei sind Vokale ‚A’, ‚U’ und ‚M’. Der vierte, unhörbare Laut ist Stille, welche die hörbaren Laute beginnen und enden lässt. Die Stille, welche den Klang umschließt.
Die schönsten Erläuterungen zu OM finden sich in der vedischen Tradition und in Sanskrit-Texten. So beschreibt die Manduka Upanishade die vier Elemente von AUM als Allegorie der vier Bewusstseinszustände.
‚A’ (langes a wie in ‚Saal’) klingt in der Kehle und wird, unabhängig von kulturellen Kontexten, als der primäre Klang betrachtet. Der Klang ‚A’ wird in der Kehle gebildet und enthält bzw. ist in allen anderen Klängen, die durch die menschlichen Stimmbänder erzeugt werden, enthalten. Und so ist A auch der erste Buchstabe im Sanskrit Alphabet. ‚A’ steht für den Zustand des Wachbewusstseins, in dem Subjekt und Objekt als getrennte Erscheinungen existieren. Dies ist die Ebene der Mechanik, der Wissenschaft, des logischen Denkens, die Ebene der unteren drei Chakren. Materie existiert hier als grobstofflich, ist sehr fest und verändert sich nur langsam.
Der bei ‚A’ geöffnete Mund verschließt sich zum ‚M’. Dazwischen liegt der Klang ‚U’, der durch den bei ‚A’ geöffneten Mund gebildet aber durch die sich zum ‚M’ verschließenden Lippen geformt wird. Mit ‚U’ (langes u wie in ‚Fuß’) wird die Bildung des Klanges in den hinteren Teil der Mundhöhle verlagert.
Die Schwingung ‚U’ steht für den Zustand des Traumbewusstseins und liegt zwischen Wachbewusstsein (A) und Tiefschlaf (M). Im Zustand des Traumbewusstseins, das mit ‚U’ assoziiert wird, greifen Objekt und Subjekt ineinander. Beide sind in uns enthalten. Materie wird subtiler, flüssiger und verändert sich schnell. Dies ist die Ebene der Träume, der Göttlichkeit, der Vorstellungskraft, der Bereich der inneren Welt.
AUM beinhaltet das gesamte Alphabet, da sich die Bildung der einzelnen Klänge von der Kehle (A) über die Mundhöhle (U) bewegt, um schließlich am Punkt der geschlossenen Lippen (M) anzukommen.
‚M’ ist der dritte Laut, summend, mit sanft geschlossenen Lippen gebildet. Er entsteht im vorderen Teil der Mundhöhle und summt ebenfalls im Kopf. Dieser Laut steht für den tiefen, traumlosen Schlaf. Hier gibt es weder ein beobachtendes Subjekt noch ein beobachtetes Objekt. Alles ist eins – und nichts. Dies ist die kosmische Nacht, das Intervall zwischen den Zyklen der Schöpfung, der Leib der Göttlichen Mutter.
Der letzte Teil des Klanges ‚AUM’ (das M), als ma oder makar bezeichnet, schließt die Lippen. Dies ist, als ob die Tür zur Außenwelt geschlossen würde und man stattdessen sein tiefstes Inneres erreicht auf der Suche nach der Höchsten Wahrheit. Wenn das Wort AUM ausgesprochen wird, verbinden sich die ersten beiden Buchstaben A und U, und bilden so den Klang ‚O’. Der letzte Buchstabe M bleibt erhalten und wird als Laut ‚M’ ausgesprochen. Aus diesem Grund wird das Wort AUM zu OM verkürzt. Das Wort OM enthält weiterhin alle Eigenschaften des Wortes AUM.
Der vierte Laut von OM, der nicht geschlagene Klang, befindet sich innerhalb der Stille am Ende der heiligen Silbe. Es ist interessant, dass man Stille nicht wirklich hören kann – man kann Klänge hören, aber wie kann man etwas hören, wenn es kein Geräusch gibt?
Wenn man auf diesen stillen Klang, diese nicht geschlagene Schwingung wirklich fokussiert, erreicht man den Bereich der Stille, der Gegenwart –
Friede. Wird OM rezitiert, können wir im Moment, in dem das letzte Summen von ‚M’ verklingt, diesen stillen Laut klar hören. In diesem Moment werden hörbarer Klang und Stille von einander getrennt. Wenn man in dieser Stille verbleibt, wird diese intensiv.
Symbolik von OM
Gemäß der Mandukya Upanishade stehen die einzelnen Laute von AUM für folgende Bereiche der Erfahrung:
‚A’ = Jagarat (Wachbewusstsein / Zustand des Wachens)
‚U’ = Swapna (Traumbewusstsein / Zustand des Träumens)
‚M’ = Shushupti (Schlafbewusstsein / Zustand des Tiefschlafs)
Entsprechend der Lehre des Yoga bestehen Körper und Geist des Menschen aus drei so genannten Gunas: Sattwa (Harmonie, Klarheit und Licht), Rajas (Leidenschaft und Dynamik) und Tamas (Unwissenheit, Dunkelheit und Trägheit). Die drei Laute von AUM stehen auch für diese drei Gunas.
‚A’ = Sattwa ‚U’ = Rajas ‚M’= Tamas
Die Stille nach dem Rezitieren von AUM bedeutet, dass alle drei Gunas transzendiert wurden – trigunatita – reines Bewusstsein.
Die drei Laute von AUM symbolisieren ebenfalls die drei Prinzipien der Existenz, dargestellt durch Brahma, Vishnu und Shiva – das Erschaffen, das Erhalten und das Zerstören.
‚A’ = Brahma ‚U’ = Vishnu ‚M’ = Shiva
Die nach dem Verklingen von AUM entstandene Stille steht symbolisch für die zugrunde liegende Wirklichkeit, welche jenseits von Erschaffen, Erhalten und Zerstören liegt.
Jenseits von AUM
Die Mandukyia Upanishade bezeichnet den Zustand der Transzendenz als Turiya (Sanskrit für ‚das Vierte’) – ein Zustand, der jenseits der drei Bewusstseinzustände liegt – bezeichnet durch ‚A’, ‚U’ und ‚M’ – und sie dennoch umfasst.
Turiya, die zugrunde liegende Wirklichkeit, wird durch einen Kreis beschrieben und beinhaltet Jagarat (der bewusste Wachzustand = ‚A’), Swapna (der unterbewusste bzw. Traumzustand = ‚U’), und es beinhaltet und ist doch jenseits von Shushupti (‚M’) (der ursächlich unbewusste Zustand).
Obwohl Turiya die zugrunde liegende Wirklichkeit ist, ist sie jenseits dieser drei Bewusstseinszustände. Turiya umfasst alle drei Zustände und liegt dennoch jenseits davon. Der Zustand von Turiya kann nur erfasst werden, wenn der Geist sich in jenem Bewusstsein auflöst, das jenseits von Jagarat (wachen), Swapna (träumen) und Shushupti (schlafen) liegt – den drei manifesten Zuständen des Universums.
Bedeutung des von OM-Zeichens
Mit seiner dreifachen Natur, seiner besonderen Form und seinem einzigartigen Klang bietet AUM Raum für zahlreiche Deutungen seiner Symbolik.
Das OM-Zeichen besteht aus drei Bögen (Bogen 1, 2 und 3), einem Halbkreis (Bogen 4) und einem Punkt. Der große untere Bogen (Bogen 1) steht für das Wachbewusstsein (Jagarat). In diesem Zustand ist das Bewusstsein mittels der Sinnesorgane nach außen gerichtet.
Dass dieser Bogen an erster Stelle liegt, weißt darauf hin, dass dies der meist übliche Zustand des menschlichen Bewusstseins ist.
Der obere, zweite Bogen bezeichnet den Zustand des Tiefschlafs (Shushupti) bzw. des Unbewussten. In diesem Zustand hat der Schlafende keine Wünsche und träumt nicht.
Der mittlere, dritte Bogen, der zwischen Tiefschlaf und Wachbewusstsein liegt, steht für den Zustand des Träumens (Swapna). In diesem Zustand ist das Bewusstsein der Person nach innen gerichtet, und das träumende Selbst erhält einen fesselnden Blick auf die Welt hinter den Augenlidern.
Dies sind die drei Zustände des menschlichen Bewusstseins. Die indische Mystik geht davon aus, dass die gesamte manifeste Wirklichkeit aus diesem Bewusstsein entspringt. Daher stellen die drei Bögen des OM-Zeichens die Gesamtheit aller physischen Erscheinungen dar.
Der Punkt steht für den vierten Bewusstseinszustand, im Sanskrit als Turiya bezeichnet. In diesem Zustand ist das Bewusstsein weder nach innen noch nach außen gerichtet noch beides zusammen. Es zeigt den Stillstand aller unterschiedlichen relativen Wirklichkeiten an. Dieser Zustand vollkommener, friedvoller und glückseliger Stille ist das höchste Ziel aller spiritueller Aktivität. Dieser absolute (nicht relative) Zustand erhellt die anderen drei Bewusstseinszustände.
Der Halbkreis schließlich stellt Maya (das Unwirkliche, das Vergängliche) dar und trennt den Punkt von den drei Bögen. Es ist folglich die Illusion von Maya – die transitorischen Bewusstseinszustände – die uns von der Verwirklichung des höchsten Zustands der Glückseligkeit abhält.
Der Halbkreis ist nach oben geöffnet; wenn er korrekt gezeichnet ist, berührt er den Punkt nicht. Dies bedeutet, dass der höchste Bewusstseinszustand nicht von Maya beeinflusst ist. Maya wirkt ausschließlich auf die manifeste Wirklichkeit ein. Und zwar dergestalt, dass sie den Suchenden davon abhält, das höchste Ziel, die Verwirklichung des Einen, das alldurchdringende, unmanifeste Absolute zu erreichen. So steht die Form des OM-Zeichens für beides – das Manifeste und das Unmanifeste, die subtilen und physischen Ebenen der Existenz.
Über und jenseits der dreifachen Natur von OM als heiligem Klang liegt die unsichtbare vierte Dimension, die nicht durch die Sinnesorgane unterschieden werden kann. Die Sinnesorgane sind auf physische Wahrnehmung beschränkt. Dieser vierte Zustand ist die unaussprechbare, klanglose Stille, die dem Rezitieren vom OM folgt. Ein friedvoller, glückseliger und nicht-dualer Zustand, in dem alle unterscheidbaren Manifestationen zur Ruhe kommen. Dies ist der Zustand, der durch den Punkt im traditionellen OM-Zeichen dargestellt wird.
Swami Vishaanashuyananda
